Links | Sitemap | Impressum | Disclaimer

Die Altstadtbahn

Der Dammrutsch

Status 1987: Dammrutsch unterbricht Stadtstrecke
Status 1997: 10 Jahre später
Status 2007: 20 Jahre später
Status 2017

2. März 1987: Dammrutsch unterbricht Stadtstrecke

Zustand vom März 1987: Gleise über dem Abgrund (links) und Blick Richtung Wasserbug Stadt (rechts). Im Hintergrund erkennt man neben den Personen links ein Andreaskreuz und rechts der Strecke zwei V-förmige Signale.

In der PRO BAHN Zeitung vom Frühjahr 1987 wurde über den Dammrutsch bundesweit berichtet. Wir zitieren:
Filzenexpreß: Technische Stillegung
»Rettet den Filzenexpreß« heißt eine Initiative, die sich seit Jahren um die Erhaltung der Bahnstrecke Ebersberg-Wasserburg einsetzt. Seit Ende 1986 wird diese Initiative von der PRO BAHN Regionalgruppe München tatkräftig unterstützt. Fast jede Woche erschien ein Zeitungsartikel, der sich mit den Bemühungen um diese Bahnstrecke beschäftigt, und in dem immer wieder der Name PRO BAHN auftauchte. Auch die Stadt Wasserburg, vor allem ihr Bürgermeister Geiger, kämpft um ihren Bahnanschluß. Die KBS 942 ist de-fakto die Verlängerung der S-Bahn-Strecke München - Ebersberg, jedoch nicht elektrifiziert. In Wasserburg- Bahnhof kreuzt die Linie die Strecke Rosenheim - Wasserburg - Mühldorf (KBS 941), die zwischen Wasserburg und Mühldorf zur Zeit stillgelegt ist, deren Wiederherstellung im Ländervertrag DB/Bayern jedoch vorgesehen ist. Auf der KBS 942 verkehren außer 3 Zugpaaren etwa 12 Busse. Zusätzlich sind auf der Stichstrecke Wasserburg-Bhf. - Wasserburg-Stadt 8 Triebwagen-Kurse zu finden.
Unverhoffte Schützenhilfe für die Stillegung erhielt die DB Anfang März durch das Innhochwasser. Auf einem etwa 40 Meter langen Gleisabschnitt wurde der Damm unterspült, sodaß die Gleise 10 Meter hoch frei in der Luft hängen. Die Reparaturarbeiten würden laut DB zwischen 300.000 und 500.000 Mark kosten. Diese Aufwendung lehnt die Bundesbahn unter Hinweis auf die ohnehin beantragte Stillegung ab. Der Personenverkehr zwischen Wasserburg-Stadt und Wasserburg-Bhf. wird jetzt ausschließlich mit Bussen abgewickelt.
Unter diesen Umständen sind die Aktionen zur Rettung des Filzenexpress, die gerade angelaufen waren und auf eine Steigerung der Fahrgastzahlen vor allem beim Gelegenheits- und Ausflugsverkehr abgestellt waren, natürlich zum Scheitern verurteilt. Letzten Endes könnte nur eine energische Intervention des Freistaates Bayern zu einer Wiederherstellung der Strecke führen. Von der Strecke Kempten - Isny her ist leider bekannt, dass sich letzten Endes die DB mit der technischen Stilllegung durchsetzte, nachdem zwei kleine Brücken nicht mehr befahren werden durften.
Soweit die damalige Meldung.

Einige Monate später sind die schwebenden Gleise entfernt. Zur besseren Orientierung sei wieder auf das Andreaskreuz und die Signale im Hintergrund hingewiesen.
Der gleiche Blick von ein paar Metern weiter zurück. Den Text »Betreten der Baustelle verboten« kann man aus heutiger Sicht als blanken Zynismus bezeichnen.

Der Dammrutsch: 10 Jahre später

Symbolische Eimerkette zum 10-jährigen Jubiläum

In der PRO BAHN Post vom März 1997 wurde über das 10-jährige »Jubiläum« des Dammrutsches berichtet. Hier ist der Artikel von Thomas Kauderer:
2.3.1987-2.3.1997: 10 Jahre Dammrutsch - Das Jubiläum eines Sachzwangs
Von allen Seiten werden Sie zum Ausgang des Jahrhunderts mit Mammutprojekten erfreut, liebe Leser, als da sind: Neue Großflughäfen, neue Schifffahrtskanäle, Transrapid, Vertunnelung von Stadtautobahnen, Tieferlegung des Hauptbahnhofs, ja Absenkung des menschlichen Niveaus überhaupt.
PRO BAHN kann bei dieser Art der Zukunftsgestaltung nicht abseits stehen, darum unterstützen auch wir ein Großprojekt, dessen Tragweite für das kommende Jahrtausend noch gar nicht absehbar ist.
Im Gegensatz zu den vorhin genannten »Peanuts« um ein paar lächerliche Milliarden birgt unser Vorhaben das völlig unkalkulierbare finanzielle Risiko einer Investition von nicht ganz zwei Millionen Mark - Sie haben richtig gesehen, liebe Leser: »zwei Millionen« (und nicht »zwei Milliarden«)!
Zur Ortsbesichtigung unserer Zukunftsvisionen begeben Sie sich bitte möglichst am Sonntag, den 2. März um 16.15 Uhr von Reitmehring (Treffpunkt) ins Tal des schönen grünen Inns (Abfahrt München Hbf 14.50 Uhr; München Ost 14.59 Uhr; Rosenheim 15.46 Uhr; Mühldorf 15.33 Uhr).
Wir werden auf unserer Wanderung einen Krater entdecken - oder vielmehr enttarnen, der sich in der Nähe des Flussufers gebildet hat. Doch nicht ein Vulkanausbruch hat ihn geschaffen, sondern im Gegenteil eine Überschwemmung! Er handelt sich also eher um den stummen Zeugen einer Implosion, die sich an dieser Stelle vor genau zehn Jahren ereignet hat, ja genauer betrachtet geradezu um das Naturdenkmal eines Sachzwangs.
Dessen Behebung stößt, wie gesagt, seit einem Jahrzehnt auf unüberwindliche Schwierigkeiten, und an diese Tatsache wollen wir aus Anlass des Jubiläumstages angemessen erinnern. Politische Prominenz wird voraussichtlich pressewirksam zu Schaufel und Kübel greifen, um diesen Sachzwang in Angriff zu nehmen - wenigstens symbolisch! Hätte man dieses »Jahrhundertwerk« in der Realität auch schon bewältigt, könnte voraussichtlich bereits ab kommenden Sommerfahrplan die Bahnlinie Wasserburg Stadt - Grafing (Bahnhof) bis auf wenige Ausnahmen im Berufsverkehr umsteigfrei im Zweistundentakt bedient werden. Die Kurzwende unserer Regionalbahn wird dann im Anschluss an die Regionalexpresse in Grafing Bf liegen, die sich dort in Zukunft begegnen. Die längere Wendezeit in Wasserburg Bahnhof von etwa einer halben Stunde würde locker ausreichen, um wieder den Stadtbahnhof anzufahren und den regionalen Schienenverkehr damit wieder ein Stück attraktiver zu machen!
»Schienenverkehr«, das war das Stichwort! »Es ist kein Geld daaa« hallt es Ihnen im Chor entgegen. Merkwürdig, wo immer die Gelder üppig sprudeln und für welche bescheidenen Verbesserungen die Kassen chronisch leer sind - selbst in größten »Boom-Zeiten«!


Der Dammrutsch: 20 Jahre später

In einer Presseerklärung vom 2. März 2007 weist der PRO BAHN Regionalverband Oberbayern auf die nun seit 20 Jahren unterbrochene Strecke hin und lädt zu einer Kundgebung am 4. März ein.

Kundgebung im März 2007 an der Dammrutschstelle; in der Bildmitte der Vorsitzende des PRO BAHN Regionalverbands Oberbayern, Norbert Moy (mit Aktendeckel), links daneben Dr. Ludwig Scheidacher (†).
Besucher des 20. Jubiläums auf der alten Trasse.
Zustand vom März 2007: Gleisende vor dem Abgrund
Gleisjoche über dem Abgrund, im Hintergrund der Inn